Wie alles begann…

Jägerzug„Ruck Zuck“
…und schon waren wir dabei

 

Vorgeschichte:

Am Donnerstag den 25.05.1989, es war Fronleichnam, machten wir mit Michaels Klasse einen Grillausflug. Wie immer, wenn einer der Eltern vom Tellschützenzug „Gut Pfad“ anwesen war, kam das Thema schnell aufs Schützenfest.

Michael und Andreas (Wahrmann) wollten seit Jahren in einen Schützenzug. Schon mehrmals waren beide als Pagen mitgegangen und wir hatten auch immer wieder versucht, in den Zug „Gut Pfad“ zu kommen.

Immer wieder wurden wir von einem Vater dem (Elternvorsitzender) aufs nächste Jahr vertröstet! An diesem Donnerstag sagt uns dann der Hr. Bongartz (auch ein Vater aus „Gut Pfad“) dass die Eltern des Zuges schon von Anfang an fest beschlossen hatten, niemanden mehr aufzunehmen.

Also blieb uns nur eines, einen eigenen Zug zu gründen. Das sollte dann auch, fürs nächste Jahr, 1990 in Angriff genommen werden!!!

Aber!!!!!!

Wir hatten nicht mit den Einfällen unserer Kinder gerechnet.

Am Freitag den 26.05.1989, gegen 12 Uhr, Inge (Stocks) war gerade bei mir zum Kaffee, flog die Terrassentür auf. Michael, Daniel und Andreas stürzen in das Wohnzimmer und rufen:

„Wir haben einen SCHÜTZENZUG“

Sie hatten sich am Morgen in der Schule mit genug Kindern zusammengetan, um einen Schützenzug zu gründen.

Wir, Inge und ich, konnten uns mit dieser Idee auf die schnelle zuerst nicht so ganz anfreunden. Aber, nach einigem Hin und Her, riefen wir dann doch die einzelnen Eltern an, um uns das Einverständnis einzuholen.

Im Fernsehen lief die Sendung „Ruck Zuck“.

Wir fanden, dass dieses genau der richtige Name für unseren Zug sein müsste.

Der Schützenzug „Ruck Zuck“ mit seinen elf Mitgliedern:

– Michael Wahrmann

– Andreas Wahrmann

– Daniel Stocks

– Thorsten Stocker

– Jens Stocker

– Volker Hoffacker

– Christoph Hoffacker

– Patrick Tillmanns

– Michael Bell

– Thomas Bell

– Martin Friesheim

– Thomas Hoff

stand somit fest.

Nun brauchten wir noch die Genehmigung der Bruderschaft.

Da einige Vorstandsmitglieder in Urlaub waren, erreichten wir erst nach mehreren Fehlschlägen den Hr. Jürgen Baumanns, der sich wiederum mit dem Hr. Fellinger in Verbindung setzen wollte.

Der Rückruf kam noch an diesem Freitag gegen Abend.

Die Antwort lautete „wenn Hr. Köntges (Platzmajor) einverstanden ist und keine Probleme mit der Zugaufstellung sieht, könnt ihr mitmachen.“

Die Zusage hatten wir nach einem kurzen Telefonat.

Das war der Startschuss zu einem

„5 Tage“ – Turnier

Am Samstag den 27.05.1989 fuhren wir morgens mit der kompletten Truppe nach Willich zum Uniformen-Verleih Brand.

Wir zogen an, wir zogen aus, tauschten hin und tauschten her, aber es waren leider nicht genug Uniformen in kleinen Größen vorhanden.

Dann versprach uns Hr. Brand, dass er uns die fehlenden Uniformen bis Samstag noch nähen würde. Wir entschieden uns für einfache Waffenröcke. Es wurde Maß genommen, Hüte und Zubehör ausgesucht und dann ging’s nach Hause.

Zu Hause ging’s weiter!!!!

Inge und ich fuhren Stoff kaufen, in weiß und schwarz zum Hosen nähen.

Peter und Jürgen schleppten die große Industriemaschinen von Stocks (Hochstraße) zum Rehweg.

Mittags waren dann, ein Nähzimmer, Stoffe, das Schnittmuster und alles Zubehör vorhanden uns es konnte losgehen.

Am Samstagnachmittag mussten alle Kinder wieder antreten zum messen und es wurden Schnittmuster in den einzelnen Größen angefertigt.

Während wir, Inge, Rostrud und ich mit vorbereiten und zuschneiden beschäftigt waren, fuhren Jürgen und Peter in die Schreinerei nach Wahrmann um die Holzgewehre anzufertigen.

Bis spät in die Nacht hinein wurden Gewehre ausgesägt und bearbeitet.

Im Nähzimmer wurden die ersten Hosen zugeschnitten und alle Vorbereitungen zum Nähen getroffen.

Sonntage den 28.05.1989 wurde mit dem Nähen begonnen.

Es sollte uns aber den ganzen Sonntag kosten, die ersten beiden Hosen fertig zu stellen, was uns doch etwas mutlos machte!

Wie sollten wir alle Hosen in 4 Tagen fertig bekommen.

Montag den 29.05.1989 für Inge morgens mit dem schwarzen Stoff zu einer Bekannten, da wir uns nicht mehr sicher waren, ob dieser Stoff für unsere Kinder geeignet war!

Und??

Wir fuhren den Stoff umtauschen, denn diesen Stoff hätte man nur reinigen können!!

Dann ging es richtig los!

4 Tage, immer alle Kinder rufbereit bei uns im Garten. Inge und ich nähten Hosen, Brigitte und unser Maskottchen die „Ruck Zuck Oma“ riehen die Hosen und nähten Knöpfe an, Heidi und Uschi holten die Hosen zum bügeln ab und immer wieder an der Erde liegende Mütter beim Anprobieren, Anstecken und Ändern.

Ein Gang durchs Wohnzimmer glich einem Hürdenlauf!! Sobald Peter von der Arbeit kam, wurde auf dem Garagenhof marschieren geübt und in der Schreinerei wurde von einigen Vätern an den Gewehren gearbeitet.

Zwischen all diesem Hin und Her stellten wir fest, dass Michael Bell noch einen Bruder hatte!

Natürlich nahmen wir Thomas Bell noch in unseren Zug auf!

Damit waren wir aber komplett.

So schlugen wir uns die Nächte um die Ohren und einmal ging sogar die Sonne wieder auf, bevor Inge und ich ein Bett zu sehen bekamen.

Donnerstag den 01.06.1989 um 24.00 Uhr konnten wir die Fertigstellung von sechsundzwanzig mit einem Bier und Aufgesetztem feiern.

Unter Mithilfe von Ernst Hoff und Willi Tillmanns konnten auch die Gewehre im Laufe der Woche fertig gestellt werden. Hans-Peter Bell arbeitete derweil an dem Plakat für die Jux-Parade!

Dann war auch schon der Freitag, 02.06.1989 – Maibaum setzen!

Aus einem alten Schild der Sportschützen wurde auf die Schnelle ein Schild für den Zugführer des Zuges „Ruck Zuck“ angefertigt.

Die Jungs durften ihr Schild mit an den Maibaum der Sportschützen anbringen.

Mit einem Kasten Limo wurde ein zünftiges Maibaum setzen gefeiert.

Im Laufe der Woche hatten wir auch Besuch vom Platzmajor Hr. Köntges! Da man in Sorge war, wie wir wohl auftreten würden, wollte er sich nochmals erkundigen, ob wir auch ordnungsgemäß, nach den Satzungen der Bruderschaft gekleidet gehen würden.

Es gab nichts zu bemängeln!! (für den Anfang)

Jetzt war der Schützenfestsamstag gekommen.

Wir fuhren mit der kompletten Gruppe nach Willich um die Uniformen abzuholen.

Leider waren die noch nicht aus Aschaffenburg eingetroffen, doch man versprach, alles bis 14 Uhr zu uns nach Hause zu bringen.

Wir mussten warten!!!!!

Um 14 Uhr war also wieder Treffen auf dem Rehweg denn um 15 Uhr sollte ja angetreten sein, aber, die Uniformen kamen nicht!

Eine Horde aufgeregter Kinder und immer ruhiger werdender Mütter sprangen bei jedem Geräusch zur Haustür!

Doch die Uniformen kamen nicht!!!!

Bei Brand in Willich war mittlerweile keiner mehr zu erreichen.

Gegen 18 Uhr gingen total enttäuschte Kinder, nebst Müttern nach Hause.

Ich blieb mit Rostrud (Stocker) allein zurück!!

Wir überlegten, beratschlagten, aber es gab nichts, war wir tun konnten.

Dann gegen 19 Uhr hatte ich eine Idee!

Vor langer Zeit hatte ich eine Rechnung von Brand abgeheftet. Vielleicht war ja da die Adresse aus Aschaffenburg drauf!!

Schnell war dann die Adresse ausfindig gemacht und ich rief dort an.

In Aschaffenburg tat man erstaunt, Hr. Brand jun. aus Willich wollte die Uniformen doch holen!

Das war nun genau das Gegenteil von dem, was man uns in Willich erzählt hatte!

Nach einem längerem Streitgespräch wollte Brandt sen. Uns damit vertrösten, dass man uns die Uniformen Sonntagmorgen bringen würde!

Auf solche Versprechungen konnte ich mich jedoch nicht mehr einlassen.

Kurz entschlossen sagte ich, dass wir die Uniformen holen würden! Damit wollte sich Hr. Brand sich nicht einverstanden erklären, aber ich ließ mich auf keine weitere Diskussion ein. Ich bestand darauf, dass Hr. Brand in dieser Nacht nicht eher ins Bett gehen dürfte, bevor ich nicht die Uniformen hätte.

Nach einem Telefonat mit Inge und Peter stand fest, dass wir sofort fahren sollten und dass es günstig wäre, noch ein schnelles Auto zu haben wie z.B. von Bell.

Hans-Peter sagte auch sofort zu!! Gegen 20 Uhr waren wir dann zu dritt, Hans-Peter, Peter und ich, auf dem Weg nach Aschaffenburg.

In der Zeit fuhr Rostrud nach Niederheide, da musste die Angestellt von Brand, aus Willich, wohnen. Nach einigen Telefonaten wurde diese ausfindig gemacht!

Ihr wurde geschildert, wie sehr man uns auf den Arm genommen hatte und wie enttäuscht die Kinder jetzt waren. Sie half uns sofort!! Man traf sich am Geschäft in willich und besorgte Zubehör und Hüte.

Wir „flogen“ derweil nach Aschaffenburg.

Gegen 22.30 Uhr waren wir gelandet! Hr. Brand händigte uns sofort die Uniformen aus, ein kurzer Verschnaufer, eine Zigarette und kurz die Beine vertreten und schon starteten wir den Rückflug. Sonntag 0.30 Uhr kamen wir im Zelt an und wurden von den restlichen Eltern mit einem Brett Bier sehnsüchtig erwartet!!!

Ernst (Hoff) wollte eigentlich schon nach Hause, aber Brigitte lies sich nicht nehmen auf uns zu warten, denn Sie wollte doch unbedingt wissen, ob alles klar gegangen war.

Einen Absacker bei jetzt übermütig, fröhlicher Gruppe und dann ab ins Bett – DENN!!

Um 7 Uhr war wieder antreten bei Wahrmann! Da wurden die Uniformen anprobiert, getauscht Manschetten gehoben, Knöpfe versetzt und Koppeln gekürzt.

Punkt 8 Uhr waren wir dann zum Antreten am Bruderhaus zur Stelle! Unser Zug „Ruck Zuck“ machte seinem Namen alle Ehre und es war eine Schmucke Truppe!

Auch die Eltern ließen es sich nicht nehmen am Sonntagmorgen wieder dabei zu sein!

Das restliche Schützenfest lief wie geschmiert. Antreten bei Schützenbruder Thomas Hoff, super Paraden und Peter (Stocks) als Zug-Begleitung.

Unsere Jungs gingen voll auf!! Selbst für die Zeitungsleute waren wir nicht zu übersehen.

Zur Dienstags Jux- Parade hatte Hans-Peter (Bell) das Plakat fertig, auf dem unsere Parole zu lesen war!

„Ruck Zuck“ und wir waren dabei! Die Jungs trugen Restestoffe und Nähzubehör. In einem Kastenwagen wurde noch eine Nähmaschine mitgezogen.

Es war alles dabei, was gebraucht worden war, um dieses Schützenfest „Ruck Zuck“ mitmachen zu können!

Nach Schützenfest mussten wir dann noch weitere Schwierigkeiten mit der Bruderschaft durchstehen!

Man war im Nachhinein mit unseren Uniformen nicht einverstanden!

Da man im Vorstand der Bruderschaft geteilter Meinung über das Mitmachen von Kinderzügen in Uniformen und Holzgewehren war, wurden alte Satzungen sowie neue Meinungen ausdiskutiert.

Es wurden alte Satzungen gefestigt und neu festgelegt. Kinder unter 10 Jahren dürfen nicht am Schützenfest teilnehmen. Kinderzüge bis 16 Jahren dürfen keine Uniformen mit Holzgewehren tragen.

Nach langem hin und her wurde unser Vorschlag, die Kinder in eigener Tracht mitgehen zu lassen, angenommen.

Schwarze Hose und Schuhe, weißes Hemd und grüne Weste, schwarze Samtschleife, grüner Hut und weiße Feder und unsere Armbrust.

Festgelegt wurde somit, dass Kinderzüge unter 16 Jahren nur noch in Tellschützenuniform oder in dieser Kindertracht mit Armbrust mitmachen durften.

Weiterhin wurde festgelegt, dass im Schützenzug nur max. 30 Kinder mitmachen dürfen. Unsere beiden Kinderzüge, Gut Pfad und Ruck Zuck, werden die letzten Kinderzüge in Eigenregie sein!

In Zukunft soll der Tellschützenzug nur noch unter der Regie der Bruderschaft bestehen dürfen.

Aber uns gibt’s und wir machen weiter!!

Wir machen das erste mal beim Fußballspiel um den August-Peters-Pokal mit, konnten aber noch keinen Sieg erringen. –Doch dabei sein ist alles!!

Auf Fronleichnam machten wir unseren ersten Vogelschuß. Bei Hoffacker in der Scheune wurde der Vogel aufgestellt und mit einem Luftgewehr geschossen.

Jeder brachte etwas zu essen mir und wir hatten einen lustigen gemütlichen Tag.

Unser erster Zugkönig sollte das nachträglich aufgenommene Mitglied Andreas Heyes werden. Zu seinen Ministern ernannte er Christoph Hoffacker und Thomas Hoff. Auch unser zweites neues Zugmitglied Philip Dammer war schon dabei.

Im Schlussverkauf holten wir denn grünen Lodenstoff und Futter – da wir fürs kommende Schützenfest ans Westen nähen gehen mussten.

Samtbänder und Hemden  und Hosen wurden wieder in Sammelbestellung von einigen Müttern besorgt. Da auch die Armbrüste selbst hergestellt werden mussten, waren auch die Väter wieder gefragt. Leihen kann man diese nämlich nur in Verbindung mit einer Tellschützenuniform.

Wenn wir auch wieder einige Schwierigkeiten zu überstehen hatten, zum Schützenfest war wieder alles perfekt.

Gegen unsere Vorsätze wurde dann doch kurzfristig noch ein Blumenhorn bestellt.

Unser König Andreas durfte dann beim Schützenfest unser neues Königssilber, welches wir gestiftet bekommen hatten, einweihen.

Es war wieder alles so wie wir es uns vorgestellt hatten und unsere Kinder sahen in ihren neuen Trachten einfach schmucke aus!!

Auch in diesem Jahr nahmen wir wieder am Fußballtunier teil. Nach einem harten Kampf konnten wir diesmal auch den ersten Platz belegen!!

Die Eltern von „Ruck Zuck“ sorgten für das leibliche Wohl, denn wir waren für die Fressbude eingeteilt worden.

Übers Jahr trafen sich die Kinder jeden zweiten Monat zur Zugversammlung auf dem Rehweg.

Im Mai 1991 hatten wir dann unseren zweiten Vogelschuß und diesmal in der neuen Schießsportanlage.

Andreas Wahrmann wurde unser Zugkönig. Bei diesem treffen wurden dann auch die letzten Vorbereitungen für das kommende Schützenfest besprochen.

Leider hatten uns im Laufe diesem Jahres zwei Mitglieder verlassen: Volker Hoffacker und Martin Friesheim.

Auch das Schützenfest 91 war für uns ein Erfolg. Von einigen Kleinigkeiten abgesehen lief auch diesmal alles perfekt.

Im Dezember 1991 bzw. Januar 1992 nahmen wir dann noch vier neue Mitglieder auf:

Dirk Theuer

Marcel Görgens

Steffen Beckers

Andre Ströcks

Wenn wir auch das „Erste Schützenfest“ nicht wiederholen können, so hoffen doch, das unser Zug noch viele Jahre dabei sein wird!!!

geschrieben von  Brigitte Wahrmann

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